Manche Turniere sind einfach mehr als nur ein Termin im Schachkalender. Lehrte gehört für die SG Einheit Staßfurt e.V. definitiv dazu.
Vom 4. bis 6. September führte uns unsere inzwischen schon traditionelle Wochenendfahrt wieder zu unserem Partnerverein, dem SK Lehrte. Die Freundschaft zwischen beiden Vereinen reicht bis in die 1990er-Jahre zurück und ist damit längst zu einem festen Bestandteil unseres Vereinslebens geworden. Jahr für Jahr folgen wir gern dem Ruf unserer Lehrter Schachfreunde – und Jahr für Jahr dürfen ein paar mehr unserer Kinder diese besondere Fahrt miterleben.
Denn für uns ist es tatsächlich etwas Besonderes und auch ein kleines Privileg, Teil dieses Wochenendes zu sein. Umso stolzer macht es uns, dass unsere Delegation inzwischen eine beachtliche Größe erreicht hat.
In diesem Jahr machten sich 19 Kinder und Jugendliche sowie drei Betreuer auf den Weg nach Lehrte. Eigentlich hätten es sogar noch zwei Kinder mehr sein sollen, doch krankheitsbedingt erreichten uns kurz vor der Abfahrt leider zwei Absagen. Der guten Stimmung tat das keinen Abbruch.
Nach der Anreise am Freitag und dem gemeinsamen Abendessen blieb unseren Kindern zunächst noch etwas Zeit, anzukommen, sich zu entspannen und natürlich die ersten Partien untereinander zu spielen. Denn am nächsten Morgen sollte es ernst werden.
19-mal Gelb bei der Jugendserie
Am Samstag wartete mit der Lehrter Jugendserie der erste große schachliche Höhepunkt des Wochenendes.
Und ein bisschen stolz darf man als Verein schon sein, wenn bei einem Turnier mit insgesamt 136 Teilnehmerinnen und Teilnehmern plötzlich 19 Kinder und Jugendliche in einheitlich gelber Vereinskleidung auftauchen. Unsere Vereinsfarbe war jedenfalls kaum zu übersehen.
Gespielt wurden sieben Runden in verschiedenen Altersklassen von der U7 bis zu den Veteranen. Für unsere Kinder bedeutete das siebenmal neu konzentrieren, siebenmal einen neuen Gegner kennenlernen und siebenmal die Chance, das Gelernte am Brett umzusetzen.
Und genau dabei zeigte sich auch, weshalb wir die Jugendserie so schätzen.
Natürlich lief längst nicht jede Partie so, wie Trainer und Betreuer es sich wünschen würden. Gerade in den jüngeren Altersklassen bis zur U12 wurde teilweise noch deutlich zu schnell gespielt. Manchmal war der eigene Zug schon ausgeführt, bevor überhaupt richtig geschaut wurde, was der Gegner zuvor gezogen hatte. Chancen wurden übersehen, Figuren eingestellt und die eine oder andere Partie war schneller vorbei, als sie hätte sein müssen.
Aber genau dafür sind solche Turniere da.
Die Lehrter Jugendserie bietet unseren Kindern die Möglichkeit, unter Turnierbedingungen Erfahrungen zu sammeln, Fehler selbst zu erkennen und daraus zu lernen. Noch ist Zeit, an diesen Dingen zu arbeiten. Bis zum Start der Jugendligen können und werden wir daran im Training weiter feilen.
Viel wichtiger war an diesem Samstag deshalb etwas anderes: Keines unserer Kinder ging ohne Erfolgserlebnis nach Hause. Jeder unserer 19 Starter holte mindestens einen Punkt. Alle hielten sieben Runden durch, kämpften weiter und stellten sich immer wieder einer neuen Aufgabe.
Und einige Ergebnisse konnten sich wirklich sehen lassen.
Unsere Ergebnisse im Überblick
In der U7 gingen unsere beiden jüngsten Teilnehmer an den Start. Yanik Klee erspielte sich 3 aus 7 Punkten und erreichte damit Platz 9. Lias Klee kam bei seinem Turnier auf 2 Punkte und Platz 12.
In der U8 zeigte Julius Langheinreich eine starke Leistung. Mit 3,5 Punkten aus sieben Partien erreichte er Platz 8.
Gleich zwei gelbe Shirts waren in der U9 vertreten. Ben Paul Müller spielte sich mit starken 4 Punkten auf Platz 6 und verpasste damit nur knapp die vorderen Ränge. Fiona Beck erreichte 3,5 Punkte und belegte Platz 8.
In der U10 sammelte Stefan Fiola 1,5 Punkte und beendete das Turnier auf Platz 7.
Auch in der U11 waren wir doppelt vertreten. Finn Langheinrich überzeugte mit 4 Punkten und Platz 9. Romina Marie Hopfstock erspielte sich 3 Punkte und belegte Platz 16.
Ein richtig starkes Turnier spielte John Köhn in der U12. Mit 4 aus 7 Punkten erreichte er Platz 4 und schrammte damit nur knapp am Podium vorbei.
Besonders groß war unser Staßfurter Aufgebot in der U14. Hier gingen gleich vier unserer Nachwuchsspieler an den Start. Jihye Stephan und Taro Werner erspielten jeweils 3,5 Punkte und belegten die Plätze 10 und 12. Maximilian Quaas folgte mit 3 Punkten auf Platz 13. Emily Langheinrich sammelte einen Punkt und belegte Platz 21.
Und für Jihye gab es am Ende sogar noch einen Pokal.
Mit ihren 3,5 Punkten war sie das beste Mädchen der gemischten U14 und sicherte sich damit den Mädchenpreis. Damit durfte sie – wie bereits im vergangenen Jahr – erneut einen Sonderpokal aus Lehrte mit nach Staßfurt nehmen.
In der U16 lagen unsere beiden Starter ebenfalls dicht beieinander. Ian Beck und Jakob Goldschmidt erreichten jeweils 3,5 Punkte. Ian belegte damit Platz 7, direkt dahinter folgte Jakob auf Platz 8.
Und dann waren da noch unsere Veteranen.
Hier entwickelte sich aus Staßfurter Sicht ein echtes Kopf-an-Kopf-Rennen. Jason Beck und Leon Elias Schambier dominierten das Feld und beendeten das Turnier beide mit hervorragenden 6 Punkten aus sieben Runden. Da auch die Buchholzwertung identisch war, gab schließlich der direkte Vergleich den Ausschlag: Jason hatte das vereinsinterne Duell gewonnen und sicherte sich damit Platz 1 vor Leon auf Platz 2.
Ein Staßfurter Doppelsieg – besser hätte diese Altersklasse für uns kaum laufen können.
Mit Jonas Ahne auf Platz 6 und starken 4 Punkten sowie Julian Baum mit 3 Punkten auf Platz 12 waren zudem zwei weitere Staßfurter im Veteranenfeld vertreten.
Damit endete ein langer Turniertag, an dem nicht alles perfekt lief – aber genau das muss es auch nicht. Wir haben gute Partien gesehen, unnötige Niederlagen erlebt, Überraschungen gefeiert und vor allem wieder viele Dinge entdeckt, an denen wir gemeinsam weiterarbeiten können.
Und vor allem: Unsere 19 Kinder und Jugendlichen haben unsere Vereinsfarben in Lehrte großartig vertreten.
Bretter drehen ausdrücklich erlaubt
Wer nun glaubte, nach sieben Turnierrunden wäre für diesen Samstag genug Schach gespielt worden, kennt dieses Wochenende schlecht.
Nach einer Pause und einem gemeinsamen Fußballspiel wurde es am frühen Abend noch einmal schachlich – allerdings deutlich weniger ernst.
Beim Kondiblitz durften die Kinder noch einmal zeigen, wie schnell sie denken und ziehen können. Anschließend wartete mit dem Überraschungsblitz ein Format, bei dem plötzlich so manche schachliche Gewissheit nicht mehr viel wert war.
Mit musikalischer Untermalung wurde gespielt, gelacht, gewonnen und verloren – und es gab Ergebnisse, mit denen vorher wohl kaum jemand gerechnet hätte. Spätestens als die Anweisung „Bretter drehen!“ durch den Raum ging, waren sämtliche bisherigen Pläne dahin.
Genau solche Momente gehören für uns genauso zu einem gelungenen Vereinswochenende wie Pokale und Platzierungen. Nicht jede Partie muss ausgewertet werden, nicht jeder Zug muss perfekt sein. Manchmal darf Schach einfach nur Spaß machen.
Am Sonntag müssen auch die Trainer ran
Nach zwei intensiven Tagen hätte man den Sonntag gemütlich ausklingen lassen können.
Hätte man.
Doch in Lehrte wartete zum Abschluss noch das 42. Lehrter Open – und diesmal gab es für Trainer und Betreuer keine Möglichkeit, sich hinter den Kindern zu verstecken. Auch sie mussten ans Brett.
Neun Runden standen auf dem Programm. Mit 98 Teilnehmerinnen und Teilnehmern war das Open in diesem Jahr leider etwas kleiner besetzt als gewohnt. Da wir Staßfurter jedoch mit einer großen Delegation antraten, ließ sich eines kaum vermeiden: Immer wieder kam es auch zu vereinsinternen Duellen.
Und die hatten es teilweise in sich.
Denn plötzlich saßen sich Spieler gegenüber, die sich aus unzähligen Trainingspartien bestens kennen. Nachwuchsspieler trafen auf erfahrenere Vereinskameraden und auch Trainer und Betreuer mussten feststellen, dass der eigene Vereinsnachwuchs am Brett keinerlei Geschenke verteilt.
So entstanden einige durchaus überraschende Ergebnisse – und genau diese vereinsinternen Begegnungen sorgten bei unserer Delegation anschließend natürlich für reichlich Gesprächsstoff.
Bester Staßfurter des 42. Lehrter Opens wurde mit 6 aus 9 Punkten schließlich Jason Beck auf Platz 16! Gefolgt von Trainer Hartmut Radonz auf Platz 29 und Leon Schambier auf Platz 30, beide mit jeweils 5 Punkten.
Nach neun Runden hieß es dann tatsächlich: Schachfiguren einpacken, Taschen nehmen und Abschied nehmen.
Mehr als nur ein Turnierwochenende
Was von diesem Wochenende bleibt, lässt sich nicht allein an Punkten und Platzierungen messen.
Es sind 19 gelbe Vereinsshirts in einem Turniersaal. Es sind Kinder, die gemeinsam gewinnen und verlieren. Es sind Partien, über die noch beim Abendessen diskutiert wird. Es sind Fußball, Blitzschach, Musik, verdrehte Bretter und ganz viel gemeinsames Lachen.
Und es ist eine Vereinsfreundschaft, die bereits seit den 1990er-Jahren besteht und trotzdem alles andere als selbstverständlich ist.
Dass wir Jahr für Jahr mit unseren Kindern nach Lehrte kommen dürfen, bedeutet uns viel. Noch schöner ist es zu sehen, wie unsere Delegation über die Jahre gewachsen ist. Aus einer langjährigen Partnerschaft zwischen zwei Vereinen ist eine Tradition geworden, die inzwischen auch die nächste Generation unserer Schachspieler erlebt und weiterträgt.
Darauf sind wir stolz.
Deshalb sagen wir unseren Freunden vom SK Lehrte einmal mehr Danke für die Gastfreundschaft, die Organisation und ein Wochenende, auf das sich unsere Kinder jedes Jahr aufs Neue freuen.
Und vermutlich wird es auch im kommenden Jahr wieder heißen: Gelbe Shirts einpacken – wir fahren nach Lehrte!
Fotos von unserem Wochenende findet ihr hier:
https://drive.google.com/drive/folders/1ZuSENvPthu6fAEVNHf56Hgw5IEtfWC6r
Jugendserie in Lehrte – Ergebnisse hier:
https://jugendserie.de/turnier/2026/09/05/Lehrte/ergebnisse.html
Lehrter Open – Ergebnisse hier:
https://sk-lehrte.de/article.php?doc=1337
