Als am ersten Märzwochenende die Figuren auf den Brettern aufgestellt wurden, war schnell klar: Dieses Turnier würde kein gewöhnliches werden. Was die SG Einheit Staßfurt e.V. am 7. und 8. März 2026 auf die Beine stellte, war nicht nur ein Schachturnier – es war ein Statement. Ein Statement für den Schulschachsport, für Engagement, für Gemeinschaft. Und vor allem: für Leidenschaft.
Mit nahezu 270 Teilnehmerinnen und Teilnehmern an beiden Tagen wurde eine neue Dimension erreicht. Zahlen, die selbst etablierte Veranstaltungen wie die Landesmannschaftsmeisterschaft in Heldrungen (104 Teilnehmende) oder die Landeseinzelmeisterschaft in Osterburg (163 Teilnehmende) deutlich in den Schatten stellten. Ein logistisches Mammutprojekt – und doch lief alles wie ein präzises Uhrwerk. Pünktlicher Start, strukturierter Ablauf, feierliche und ebenso pünktliche Siegerehrung. Die SG Einheit Staßfurt e.V. bewies eindrucksvoll: Große Events sind hier nicht nur möglich – sie werden mit Herzblut gemeistert.
Tag 1 – Der Kampfgeist der Jüngsten entfacht die Bühne
Der erste Turniertag gehörte den Nachwuchstalenten: den qualifizierten Grundschulteams, den jüngsten Spielerinnen und Spielern der 1. und 2. Klassen sowie den Mädchen ab Klasse 5. Und gerade hier zeigte sich, wie viel Herz, Mut und Potenzial im Salzlandkreis steckt.
Die Ludwig-Uhland-Schule Staßfurt trat mit einem Team an, das den Wettkampfgeist förmlich lebte: Fiona Beck, Dayton Zimmermann, Julius Langheinrich und Leni Riemann stellten sich der starken Konkurrenz aus ganz Sachsen-Anhalt. Am Ende stand Platz 15 von 19 Teams (4 Mannschaftspunkte, 7,5 Brettpunkte) – doch diese Zahlen erzählen nur die halbe Wahrheit.
Fiona Beck, am Spitzenbrett, stellte sich mutig jeder Herausforderung und erkämpfte starke 2,5 Punkte gegen durchweg erfahrene Gegner. Dayton Zimmermann hatte es schwer, sein Können vollständig abzurufen, steuerte aber dennoch einen wichtigen Punkt zum Mannschaftsergebnis bei. Besonders herausragend agierte Julius Langheinrich: Mit beeindruckenden 3 Punkten wurde er zum stillen Leistungsträger des Teams. Und Leni Riemann, die ihre Erfahrungen ausschließlich aus der Schulschach-AG schöpft, bewies großen Kampfgeist und sicherte sich verdient einen Punkt. Ein Team, das nicht nur spielte – sondern wuchs.
Nicht weniger spannend verlief das Turnier für die Grundschule Hecklingen. Emilia Murzyn, Jan Murzyn, Arik Müller, Emilia Hebestadt und Frida Schumann stellten sich der Herausforderung. Am Ende bedeutete dies Platz 17 (3 Mannschaftspunkte, 7,5 Brettpunkte) – doch auch hier steckt hinter der Platzierung eine Geschichte voller Einsatz.
Durch die DWZ-Regelung musste die Aufstellung kurzfristig angepasst werden: Emilia Murzyn rückte an Brett 1 – eine enorme Herausforderung. Trotz großem Einsatz blieb ihr ein Punktgewinn verwehrt, doch ihr Mut, sich den stärksten Gegnern zu stellen, verdient höchsten Respekt. Ihr Bruder Jan Murzyn hingegen glänzte an Brett 2 mit starken 3 Punkten. Emilia Hebestadt überzeugte mit bemerkenswerten 2,5 Punkten, während Arik Müller und Frida Schumann sich die Einsätze teilten und jeweils einen Punkt beisteuerten. Es war ein Turnier des Lernens, des Wachsens – und des unerschütterlichen Teamgeists.
Den Sieg in dieser Kategorie sicherte sich die Dreisprachige Internationale Grundschule Magdeburg unter der Leitung von Martina Dannies – ein Team, das seit frühester Kindheit systematisch aufgebaut wird und seine Erfahrung eindrucksvoll ausspielte.
Im Bereich der 1. und 2. Klassen vertrat das Grundschulzentrum Bördeblick aus Groß Börnecke den Salzlandkreis. Erst wenige Monate zuvor war dort eine Schach-AG ins Leben gerufen worden – und dennoch kämpften sich die jungen Talente auf einen respektablen 6. Platz. Eine Platzierung, die mehr verspricht als sie aussagt: Hier wächst etwas heran.
Ein echtes Ausrufezeichen setzten die Mädchen des Dr.-Frank-Gymnasiums Staßfurt. Nach einer Auftaktniederlage gegen das Humboldt-Gymnasium Hettstedt bewies das Team Moral. Mit einem furiosen 3:1-Sieg in der zweiten Runde meldeten sie sich eindrucksvoll zurück. Besonders hervorzuheben: Jihye Stephan, die an Brett 4 in beiden Partien souverän punktete.
Am Ende kam es zu einem seltenen Szenario: Punktgleichheit in Mannschaftspunkten, Brettpunkten und sogar in der Sonneborn-Berger-Wertung. Zwei Teams auf Augenhöhe – zwei Landesmeister. Auch wenn die Vertretung für die Deutschen Meisterschaften letztlich hauchdünn an Hettstedt ging, bleibt eines unumstößlich: Das Dr.-Frank-Gymnasium Staßfurt ist Landesmeister von Sachsen-Anhalt. Ein Titel, der durch nichts relativiert wird.
Tag 2 – Entscheidungen, Dramatik und große Triumphe
Der zweite Turniertag stand den Emotionen des ersten in nichts nach – im Gegenteil. Entscheidungen wurden zugespitzt, Träume greifbar, und manche Partien entwickelten sich zu wahren Nervenschlachten.
Bei den Grundschulmädchen traten gleich zwei Teams aus dem Salzlandkreis an: die Grundschule Hecklingen und das Grundschulzentrum Bördeblick aus Groß Börnecke. Bis zur letzten Runde blieb alles offen. Dann kam es zum großen Showdown: Hecklingen gegen die favorisierte Dreisprachige Internationale Grundschule Magdeburg.
Beide Teams mit zwei Siegen im Rücken – ein Finale, wie es spannender kaum sein könnte. Doch am Ende setzte sich die Erfahrung durch. Die Magdeburgerinnen behielten die Nerven, während die Hecklinger Mädchen dennoch Großes leisteten. Der verdiente Lohn: Vize-Landesmeister Sachsen-Anhalts. Ein Erfolg, der Respekt und Anerkennung weit über die Region hinaus verdient.
Das Grundschulzentrum Bördeblick kämpfte tapfer und erreichte Platz 4 – ein weiteres Zeichen dafür, dass sich die kontinuierliche Aufbauarbeit auszahlen wird.
Im Bereich der Sekundarschulen sorgte die Ganztagsschule Am Tierpark Staßfurt für Aufsehen. Mit einem starken 3. Platz setzte das Team ein deutliches Zeichen. Überragend: Darryl Zimmermann am Spitzenbrett. Mit 4,5 von 5 Punkten dominierte er seine Gegner und bewies eindrucksvoll seine Klasse.
In der Wertungsklasse 2 zeigte das Dr.-Frank-Gymnasium Staßfurt eindrucksvoll, was Teamstärke bedeutet. Leon Schambier, Jason Beck, Jakob Goldschmidt und Mia Schwenke – sie alle erzielten jeweils 4 aus 5 Punkten. Unterstützt von Marvin Halasz (3 Punkte), Marius Recke (2 Punkte) und Finley Wiedensee (1 Punkt) entwickelte sich eine geschlossene Mannschaftsleistung auf höchstem Niveau. Das Ergebnis: Vize-Landesmeistertitel – ein weiterer großer Erfolg für Staßfurt.
Auch in der Wertungsklasse 4 präsentierte sich das Dr.-Frank-Gymnasium in beeindruckender Breite. Zwei Mannschaften gingen an den Start. Die erste Mannschaft um Kapitän Maximilian Quaas kämpfte sich mit starken Leistungen auf den 3. Platz. Lina Fleischer ragte mit 4 aus 5 Punkten heraus, dicht gefolgt von Josephine Plathe und Jihye Stephan mit jeweils 3,5 Punkten. Maximilian Quaas selbst hielt am Spitzenbrett stand und steuerte 2,5 Punkte bei.
Die zweite Mannschaft um Taro Werner zeigte ebenfalls Einsatzbereitschaft und Teamgeist. Mit Platz 7 sammelte das Team wichtige Erfahrungen. John Köhn, Henri Schultz und Henri Block steuerten jeweils einen Punkt bei – ein Fundament für kommende Erfolge.
Ein Wochenende, das bleibt
Als am Sonntag die letzten Figuren eingeräumt wurden und sich die Halle langsam leerte, blieb mehr als nur das Echo der Züge. Es blieb das Gefühl, Teil von etwas Besonderem gewesen zu sein.
Die SG Einheit Staßfurt e.V. hat nicht nur ein Turnier organisiert. Sie hat eine Bühne geschaffen – für Talente, für Emotionen, für Geschichten. Geschichten von Mut, von Entwicklung, von Triumph und manchmal auch von Niederlagen, die zu neuen Stärken führen.
Dieses Landesfinale war mehr als ein Wettbewerb. Es war ein Erlebnis. Ein Kapitel, das noch lange nachhallen wird.
Und vielleicht – ganz vielleicht – war es erst der Anfang von etwas noch Größerem.
Ein besonderer Dank gilt der QMETECIA Soda Deutschland GmbH und Co. KG, die mit der großzügigen Bereitstellung des Saals an beiden Tagen den passenden Rahmen für dieses außergewöhnliche Ereignis geschaffen hat. Ohne diese Unterstützung wäre ein solches Erlebnis in dieser Form nicht möglich gewesen.




